Aus dem Leben eines Pflegers -Teil 1: Wie ich beinahe mein Auge verlor

Liebe Leser,

gestern hätte ich wahrscheinlich um ein Haar ein Auge verloren. Ja, richtig gelesen. So kurios das klingen mag, so entspricht es doch der Tatsache. Denn unsere Blog „Berühmtheit“ Frau X, die schon die Fische im Aquarium umgebracht hat, hat wieder einmal zugeschlagen und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Wir versuchten gestern echt alles um Frau X zur Ruhe bringen zu können. Doch leider war diese Anstrengung immer wieder für umsonst. Egal ob sie die anderen Bewohner oder uns das Pflegepersonal beschimpfte, nichts konnte sie gestern beruhigen. Alles fing gestern früh an, als Frau X ihr komplettes Badezimmer unter Wasser setzte. Nachdem ich die Sauerei saubermachte und Frau X neben mir stand und mich wahrscheinlich auslachte, meinte sie nur, dass ich ohnehin nicht mehr lange leben würde und das der liebe Gott schon bald Zeit für mich hätte.

Spruch geschluckt, weitergemacht. Sowas ist man in der Pflege regelmäßig gewohnt. Als sie dann denn ganzen Vormittag damit beschäftigt war, andere Leute zu beleidigen und das Haus unsicher zu machen, ging sie nach dem Mittagessen in ihr Zimmer wo sie mit einigen Stiften anfing zu malen. Als ich dazu kam, um meinen letzten Rundgang vor Schichtende zu bestreiten, dachte ich, dass sie sich jetzt schon beruhigt hat. Doch weit gefehlt, denn gerade als ich sie fragte, was sie denn schönes malt, holte sie mit dem Stift aus und im Reflex konnte ich gerade noch so meinen Kopf nach hinten ziehen, um dem Stift auszuweichen. Hätte ich dies nicht gemacht, hätte ich seit heute wahrscheinlich ein Glasauge.

Immerhin sah Frau X ihr Fehlverhalten ein, wenn man das so sagen möchte, bei einer psychisch Auffälligen.

Warum ich dies hier festhalte, werden sich sicher einige fragen. Dieser Text dient nicht unbedingt der Belustigung, sondern eher der Tatsache, dass wir Pflegekräfte hin und wieder ziemlich am Limit leben müssen. In diesem Sinne …

Liebe Grüße,

-The Hologram


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17 Kommentare Gib deinen ab

  1. pineas2 sagt:

    Ja, Psychiatrie ist kein Ponyhof, obwohl da manchmal die Pferde durchgehen 🙂

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  2. Psychiatrie sind wir noch nicht. Pflegeheim mit vielen psychisch Erkrankten. Aber dennoch ist es inzwischen ein guter Vergleich.

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  3. Markus sagt:

    Ich hab dann darauf hin mal den Beitrag mit den Fischen gelesen. ***lach***

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  4. Größten Respekt für deine Arbeit.

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    1. Vielen Dank. Auch wenn es nicht immer leicht ist, macht es dennoch Spaß.

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      1. Habe in der Familie auch Krankenschwestern und Pflegekräfte. Da bekomme ich regelmäßig verrückte Geschichten mit, aber den Verlust eines Auges musste noch niemand befürchten. Bekommt der Patient denn jetzt Stifte, mit denen man niemanden verletzten kann?

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      2. Nein, ich halte in Zukunft etwas mehr Abstand wenn sie malt… 😅

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  5. Ich fühle mit dir. Das erinnert mich an meine Zeit im Altenheim. Dort war eine Omi die mir regelmäßig am Haar zog, wenn ich sie zur Toilette brachte.

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  6. Markus sagt:

    07. April: Ich kann Teil II nicht finden….

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    1. Es gibt ja auch noch keinen… 😅

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      1. Markus sagt:

        Ja, ich weiß. Ich wollte bloß höflich sein beim erinnern… 🙂

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      2. Ich wusste es… 😅

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  7. Wo steckst du????????

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  8. Da kann ich auch nur sagen: Respekt vor Deiner Arbeit! Und dass alle, die dort arbeiten, immer wieder hingehen. Viel Kraft + LG!

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